– Travel Stories –
Djibouti
Zwischen Feuer, Salz und Meer
Anreise und erste Eindrücke
Djibuti ist ein kleines Land am Horn von Afrika, über das die meisten Menschen kaum etwas wissen – und das deshalb selten als Reiseziel in Betracht gezogen wird. Ziel dieser Reise war simpel: herauszufinden, ob Dschibuti sicher, gut zugänglich und wirklich eine Reise wert ist.
Nach einem Reise-Networking-Event, dem MTP Summit in Addis Abeba, flog ich weiter nach Djibuti – ein Flug von gerade einmal einer Stunde. Neben zahlreichen afrikanischen Verbindungen ist das Land auch über Doha, Dubai, Istanbul und Muskat erreichbar.
Ich verbrachte sechs Tage im November unterwegs mit Einheimischen und fühlte mich zu jeder Zeit sicher. Durch die Präsenz mehrerer internationaler Militärbasen war keinerlei Unruhe oder Instabilität spürbar. Djibuti zeigte sich ruhig, offen, freundlich – und überraschend unkompliziert zu bereisen.
Meinen ersten Tag verbrachte ich in Djibuti-Stadt, wo der Großteil der Bevölkerung lebt. Hier findet man alles Nötige, dazu einige nette Orte wie die türkische Moschee. Dennoch: Die Stadt selbst ist nicht der Hauptgrund für eine Reise nach Djibuti – die wahre Magie beginnt weit außerhalb der urbanen Grenzen.
Lac Abbé – Ein anderer Planet
Die eigentliche Reise begann am nächsten Tag. Wir durchquerten die Petit Bara– und Grand Bara-Wüsten, legten einen Stopp zum Mittagessen in Dikhil ein und setzten unsere Fahrt anschließend zum Lac Abbé fort. Ein Allradfahrzeug und ein erfahrener Fahrer sind hier unerlässlich – das Gelände ist rau und abgelegen.
Nach 7–8 Stunden Fahrt, begleitet von Dromedaren, Eseln, Ziegen, Antilopen, Warzenschweinen und Pavianen, erreichten wir den Lac Abbé pünktlich zum Sonnenuntergang. Der See liegt direkt an der Grenze zu Äthiopien und ist ein surrealer Salzsee, umgeben von Kalksteinsäulen und dampfenden Fumarolen.
Es fühlte sich an wie auf einem anderen Planeten – keine Menschen, absolute Stille, nur gelegentlich ein vorbeiziehender Schakal.
Die Unterkunft war sehr einfach, denn dies ist kein touristisches Ziel. Aber Komfort war nicht mein Antrieb – und der nächste Morgen belohnte jedes Opfer. Um 5 Uhr morgens erlebte ich einen atemberaubenden Sonnenaufgang über dem See, Flamingos bei der Nahrungssuche im flachen Wasser und blubbernde heiße Quellen in der Nähe.
Ein Wort der Warnung: Ein falscher Schritt – und man könnte sich hier buchstäblich zu Tode kochen.
Lac Abbé in der Dämmerung
Lac Assal – Der tiefste Punkt Afrikas
Vom Lac Abbé aus ging es auf einer weiteren langen Fahrt weiter, vorbei an dem, was oft als der „Grand Canyon von Djibuti“ bezeichnet wird, bis wir schließlich den Lac Assal erreichten – ein wahres Naturwunder.
Der Lac Assal liegt 155 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefste Punkt Afrikas. Der See ist extrem salzhaltig, mit einem Salzgehalt von etwa 35 %, fast zehnmal so hoch wie der des Ozeans. Hier zu treiben ist mühelos – in einer Landschaft, die wirkt wie ein gefrorener See, eingerahmt von schwarzem Vulkangestein.
Goda Mountains – Nebel, Leoparden und die Realität des Klimawandels
Als Nächstes fuhren wir von 155 Metern unter dem Meeresspiegel hinauf auf fast 1.750 Meter über dem Meer, in die Goda-Berge. Die Offroad-Strecke brachte unser Fahrzeug an seine Grenzen, doch die Ausblicke waren spektakulär.
Auch hier war die Unterkunft sehr einfach – was mich nicht störte, zumal ich der einzige nicht-einheimische Gast war. In dieser Region leben Bergleoparden. Zwar bekamen wir keinen zu Gesicht, doch während einer Wanderung durch einen sterbenden Wald entdeckten wir Spuren und Überreste früherer Beutetiere.
Für djibutische Verhältnisse war es kalt und neblig. Die Stimmung war gespenstisch – unsere Wanderung fühlte sich an wie eine Szene aus The Walking Dead. Ein unheimliches, aber auch faszinierendes Live-Zeugnis des Klimawandels.
Vorsicht – nicht zu weit gehen!
Les Sables Blancs – Ein unerwartetes Paradis
Nach den mysteriösen Bergen war es Zeit für die Küste. Ein Ort, den man keinesfalls verpassen sollte, ist Les Sables Blancs bei Tadjoura – auf Deutsch: Weiße Sande.
Die Anreise ist noch immer ein kleines Abenteuer, aber deutlich einfacher als in den Bergen. Was einen erwartet, ist ein traumhafter weißer Strand mit türkisfarbenem Wasser – und sogar ein überraschend gutes Hotel. Bei meinem Besuch befanden sich gerade einmal drei weitere Menschen am gesamten Strand.
Dieser Ort entpuppte sich als der zweitbeste Schnorchelspot, den ich je erlebt habe. Nur wenige Meter vom Ufer entfernt findet man Korallen, unzählige bunte Fische, Schildkröten und Stachelrochen. Ein perfekter, ruhiger Kontrast zum rauen Landesinneren.
Nicht gerade überlaufen
Wo Kontinente aufeinandertreffen – Tektonische Platten
Ein weiteres Highlight liegt zwischen dem Lac Assal und dem Lac Ghoubbet, dort, wo die afrikanische und die arabische tektonische Platte aufeinandertreffen. Man kann buchstäblich auf erstarrter Lava stehen und mit je einem Fuß auf zwei Kontinenten.
Der sichtbare Riss wird jedes Jahr um einige Zentimeter breiter – also besser bald kommen, solange man noch bequem zwei Kontinente gleichzeitig überbrücken kann.
Afrika trifft Arabien
Schnorcheln mit Walhaien
Zuvor hatte ich bereits mit Walhaien am Ningaloo Reef in Westaustralien geschnorchelt – entsprechend groß war die Vorfreude auf dieses Erlebnis in Dschibuti.
In Australien lotsen Spotterflugzeuge die Boote zu den Haien. In Dschibuti? Kein Flugzeug, keine Technik. Nur ein kleines Boot auf dem Lac Ghoubbet, drei Einheimische und ich – stehend, suchend, hoffend, auf einer Wasserfläche von 158 km².
Nach etwa einer Stunde schwand die Hoffnung. Und dann – plötzlich – war es soweit.
Innerhalb der nächsten Stunde entdeckten wir drei verschiedene Walhaie, zwischen 4–6 Metern und unglaublichen 10–12 Metern Länge. Ich konnte mit ihnen schnorcheln – jeweils nur wenige Minuten, aber völlig allein. Keine Menschenmassen, kein Stress, nur Einheimische, Walhaie und pure Natur.
Beim Sprung ins Wasser hilft es übrigens, nicht allzu intensiv darüber nachzudenken, was dort sonst noch schwimmen könnte.
Der größte Fisch unseres Planeten!
Das Sheraton Djibouti – Eine sanfte Landung
Nach all diesen Abenteuern kehrte ich zurück nach Djibuti-Stadt, wo ich meinen letzten Tag im Sheraton Djibuti verbrachte. Der perfekte Ort, um zu entspannen, Komfort zu genießen und die Reise Revue passieren zu lassen – bevor es über Kairo und Frankfurt wieder nach Hause ging.
Der perfekte Spot zum Abschalten.
Das ist Reisen in seiner ursprünglichsten Form – manchmal herausfordernd, aber immer tief belohnend.
Wenn du bereit bist, über das Offensichtliche hinauszugehen, könnte Djibuti dich mehr überraschen als jedes andere Reiseziel, das du bisher erlebt hast.