– Reisegeschichten –

Reisen mit Handicap

Kopenhagen & Malmö

Anreise

Mein Travel Buddy auf dieser Reise war Hermann, der zum Zeitpunkt der Reise 90 Jahre alt war. In diesem Alter konnte er nur noch wenige Meter selbstständig gehen und war für längere Strecken auf einen Rollstuhl angewiesen.

Ich holte Hermann bei ihm zu Hause in Deutschland ab und wir fuhren gemeinsam zum Fährhafen Puttgarden auf der Insel Fehmarn. Von dort aus ging es mit einer entspannten 45-minütigen Fährüberfahrt nach Rødby in Dänemark. Das Wetter war traumhaft, sodass wir während der Überfahrt herrliche Ausblicke auf die Ostsee genießen konnten.

Nach weiteren zwei Stunden Autofahrt erreichten wir unser Ziel: Kopenhagen.

Ich hatte bewusst ein Hotel direkt im Stadtzentrum gewählt, damit wir die meisten Sehenswürdigkeiten bequem erreichen konnten – zu Fuß oder mit dem Rollstuhl. Kurze Wege und gute Zugänglichkeit waren entscheidend, und Kopenhagen erwies sich dafür als ideale Stadt.

Kopenhagen – kompakt, charmant und überraschend lebendig

Kopenhagen zählt zu den lebenswertesten Städten Europas und landet regelmäßig ganz oben in den Rankings der glücklichsten Städte der Welt. Die Stadt ist flach, überschaubar und wunderbar leicht zu erkunden – perfekt für Reisende mit eingeschränkter Mobilität.

Während unseres Aufenthalts besuchten wir unter anderem das Christiansborg Palace, Sitz des dänischen Parlaments, das Rosenborg Schloss mit den dänischen Kronjuwelen, den farbenfrohen Hafen Nyhavn und natürlich die Kleine Meerjungfrau – wahrscheinlich das bekannteste (und kleinste) Wahrzeichen der Stadt.

Fun Fact: In Kopenhagen gibt es mehr Fahrräder als Einwohner – inklusive eigener Ampeln nur für Radfahrer.

Und natürlich durfte auch der kulinarische Teil nicht fehlen: Wir genossen dänisches Softeis und probierten die berühmten roten Hotdogs, die sogenannten Pølser – farblich gewöhnungsbedürftig, geschmacklich überraschend gut und absolut typisch für Dänemark.

Nyhavn – perfekt für einen Ausflug an einem sonnigen Tag

Christiania – eine Stadt in der Stadt

Ein weiteres Highlight in Kopenhagen ist Christiania, das berühmte alternative Viertel, das 1971 gegründet wurde. Laut der lokalen Gemeinschaft „verlässt man sogar die EU“, sobald man Christiania betritt.

Christiania funktioniert nach eigenen Regeln, ist bekannt für bunte Häuser, Street Art und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Autos sind unerwünscht, viele Gebäude wurden selbst gebaut, und die Atmosphäre fühlt sich an, als würde man eine völlig andere Welt betreten.

Fun Fact: Christiania bezeichnet sich selbst als „Freistadt“ und hat sogar eine eigene Flagge – drei gelbe Punkte auf rotem Hintergrund.

Malmö – Schweden gleich nebenan

Einer der großen Vorteile Kopenhagens ist die Nähe zu Malmö in Schweden. Über die beeindruckende Øresundbrücke, die fast 8 Kilometer lang ist, erreicht man ein weiteres Land in weniger als einer Stunde.

Wir verbrachten einen wunderbaren Tag in Malmö, schlenderten durch die Gamla Staden (Altstadt) und entspannten uns im Kungsparken, einem der ältesten öffentlichen Parks Skandinaviens. Unsere Kaffeepause in der Nähe des Malmöhus Schlosses war der perfekte Moment, um zur Ruhe zu kommen und den Tag zu genießen.

Fun Fact: Malmö ist eine der internationalsten Städte Skandinaviens – Menschen aus über 180 Nationen leben hier.

Kaffeepause bei Malmöhus

Rückblick

Sowohl Kopenhagen als auch Malmö sind nicht nur äußerst charmant, sondern auch angenehm kompakt. Fast alles ist gut erreichbar, was beide Städte zu hervorragenden Reisezielen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität macht.

Das Kopfsteinpflaster ist zwar eine Herausforderung, wenn man den ganzen Tag einen Rollstuhl schiebt – aber der Blick auf Hermanns Lächeln machte jede Anstrengung mehr als wett.

Lachen, Erinnerungen und die Freude des gemeinsamen Reisens

„Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Alter noch einmal reisen würde. Meine letzte Reise lag mehr als zehn Jahre zurück. Ich hatte eine wundervolle Zeit mit Gerald, und bis heute schwelge ich in Erinnerungen, indem ich mir jeden Tag die Videos anschaue, die Gerald aufgenommen hat.“
— Hermann, 90